Wie ich lernte, mich auf Bildern zu mögen

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Du kennst den Moment: du stehst morgens vor dem Spiegel, dein Make-up ist perfekt geworden, deine Haare fallen auch einmal so wie du möchtest und du trägst deine Lieblingsbluse. Der perfekte Zeitpunkt für ein schnelles Foto. Doch nach dem du den kleinen Knopf gedrückt hast, kommt die Enttäuschung. Im Spiegel hast du dir irgendwie besser gefallen. Ich zumindest kenne dieses Gefühl…

Für mich waren Bilder von mir jahrelang ein schwieriges Thema. Grundsätzlich war ich immer ganz zufrieden mit mir, aber auf Bildern habe ich mir eigentlich nie gefallen. Am wenigsten, wenn ich gelacht habe. Mein Gesicht war mir immer viel zu asymmetrisch; mein linkes Auge ist viel kleiner als das rechte, mein Lächeln ist schief, meine Nase ist auch nicht gerade und außerdem habe ich viel zu viele Muttermale.

Meine Profilbilder waren deshalb auch immer sorgfältig retuschiert, alle „Makel“ entfernt und wirklich gelächelt habe ich auf Fotos eigentlich auch nie.

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Als ich Fotografin wurde, beobachtete ich das auch bei meinen Kundinnen: Die (für mich) schönsten Frauen fanden sich auf Bildern meistens alles andere als perfekt. Wo ich ein strahlendes Lächeln sah, sahen sie nur einen schiefen Mund. Wo ich fand, dass ihre Augen etwas ganz besonderes ausstrahlten, sahen sie nur die Falten. Wo ich die Verbundenheit zwischen einem verliebten Paar sah, sahen sie einen dicken Oberarm. Es gelang ihnen nicht, über den selbstauferlegten Perfektionismus hinweg und auf ihre Schönheit zu sehen.

Als mein Mann und ich 2013 heirateten beschloss ich, meine Einstellung zu mir auf Bildern zu ändern. Ich wollte meine Hochzeitsbilder gerne ansehen, nicht kritisieren.

Statt meinen „Makeln“ wollte ich die Liebe sehen, die wir füreinander empfinden. Ich versuchte bei jedem Bild die Emotionen zu spüren und mich daran zu erinnern, in welcher Situation das Bild entstand. Ich versuchte mich so zu sehen, wie Christian mich sah. Keine schiefe Nase, sondern eben meine Nase, die er so mag.

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Plötzlich machte Perfektionismus Platz für Akzeptanz und ich sah mich auf Bildern mit anderen Augen. Und in den letzten Jahren schaffte ich es immer mehr, mich auf Bildern zu mögen. Besonders ist mir das vor ein paar Wochen aufgefallen, als meine Kollegin Tanja meine neuen Profilbilder fotografierte. Bei der Bearbeitung hatte ich plötzlich nicht mehr das Bedürfnis, meine Haut glattzubügeln und die Bilder so lange zu retuschieren, bis sie mir gut genug erschienen.

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Klar, meine Augen sind immer noch nicht gleich groß, mittlerweile haben sich zu meinen Muttermalen auch noch ein oder zwei Fältchen gesellt und ein Julia-Roberts-Lächeln habe ich auch nicht.

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Aber ich sehe eine zufriedene Frau, die geliebt wird, die ihren Job liebt, die Freude an ihrem Leben hat, schon viel erreicht hat und noch viel erreichen wird.

Wen interessieren da noch kleine Makel?